Wie können wir in unseren Tagen das Heiligste Herz Jesu am besten verehren und erfreuen? Die Antwort ist sehr einfach und doch in der Tat schwer umzusetzen: Wir müssen Gott von ganzem Herzen lieben. Wir müssen uns dem gekreuzigten Heiland zuwenden und uns reumütig und mitleidig vor ihm niederwerfen und anbeten. Diese Anbetung ist eine vorzügliche Andacht, die dem Heiligsten Herzen viele Gnaden entlockt.
Ein gutes Beispiel für diese ganzheitliche Liebe finden wir im Leben der heiligen Luitgardis. Sie war bereits in jungen Jahren ausgewählt, sich im Kloster ganz den geistlichen Beschäftigungen zu widmen und sich von allem Weltlichen fernzuhalten. Ihre Mutter gab die Heilige den Benediktinerinnen.
Doch das Herz hatte Luitgardis einem anderen geschenkt als dem Herrn. Sie hatte nämlich einen adligen Jugendlichen gefunden, der sie amüsierte und zu weltlichen, sinnlosen Gesprächen bewog. Statt dem Herrn, ihrem Gott, alle Liebe zu schenken, gab sie sie dem Jüngling und versündigte sich so gegen das Gesetz Gottes. Sie war ganz von irdischer falscher Liebe ergriffen und wollte nichts anderes, als bei diesem Jüngling zu sein. Hätte Gott es zugelassen, wäre daraus wahrscheinlich eine sündhafte weltliche Beziehung hervorgegangen.
Er aber erbarmte sich Luitgardis und erschien ihr, deutete auf sein Herz und sprach: „Da, siehe! wen du lieben sollst.“ Von dieser einmaligen Gnade der Bekehrung tief durchdrungen, floh die Heilige augenblicklich ihre sündhafte Bekanntschaft und übte von da an die Tugend mit größtem Eifer und innigster Liebe zum gekreuzigten Heiland, dessen Leiden sie reumütig betrachtete. Im Kloster erduldete sie allerlei Strapazen und Anfeindungen und wünschte sich nichts sehnlicher, als für und mit dem Herrn zu leiden. Sie entwickelte auch eine starke Sehnsucht nach dem Martyrium. Diese heroische Tugend floss aus dem Heiligsten Herzen Jesu, das sie innigst liebte und verehrte. Gestärkt und getröstet verstarb sie, umgeben von Jungfrauen, die sie in den Himmel geleiteten.
Das Leben dieser großen Heiligen zeigt uns, wie sehr das Herz unseres Heilandes danach brennt, verehrt und geliebt zu werden. Es gibt sich nicht mit halben und lauen Liebhabern zufrieden, sondern verlangt Vollkommenheit.
Wenn wir diesem Ruf folgen, erhalten wir alle Tröstungen und Beihilfen, die wir benötigen. Denn auch unser Herz ist geschaffen für die Ganzhingabe. Nur wenn wir bereit sind, ein vollkommenes Opfer darzubringen und uns dem Herrn ganz anzuvertrauen, finden wir auch das wahre Glück, das es nur in der Vereinigung mit dem Heiland gibt.
Suchen wir in dieser Welt nach Weg Schmerzen und Leiden zu tragen, dann finden wir diesen allein in der innigsten Liebe Gottes, die uns als Gnade in unsere Herzen eingegossen wird, wenn wir darum bitten.
Wenn wir diese Andacht so praktizieren, ziehen wir reichliche Gnaden vom Himmel herab und schaffen so Genugtuung für all die schrecklichen Sünden, die heutzutage begangen werden. Handeln wir so wie die heilige Luitgardis und geben alles auf, was uns von Gott trennt. So legen wir das Fundament, dass in unseren Seelen und in der Welt das Reich Christi verankert werde und sich ausbreite bis an die Enden der Erde und bis in die Tiefe der Herzen.

