Man fragt mich oft, warum die TFP in ihrem Wahlspruch nicht „Freiheit“ oder „Arbeit“ anstelle von „Privateigentum“ aufgenommen hat. Ich werde dieses Thema nun behandeln.
Für Leo XIII. bildet das Privateigentum zusammen mit der Freiheit und der Arbeit ein harmonisches und untrennbares Ganzes, so sehr, dass derjenige, der nur einen dieser drei Werte leugnet, zugleich alle drei leugnet. Und wer einen von ihnen bejaht, bejaht implizit alle drei.
Denn jedes lebende Wesen – von der bescheidensten Zelle bis zum Spatzen oder zum Löwen – hat Bedürfnisse und ist mit natürlichen Fähigkeiten ausgestattet, die auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse ausgerichtet sind. So haben der Spatz und der Löwe Hunger, und deshalb lässt der Instinkt sie die geeignete Nahrung erkennen und begehren. Und ihr Körper besitzt die notwendigen Mittel, sich dieser Nahrung zu bemächtigen und sie aufzunehmen. Es besteht also eine natürliche Entsprechung zwischen den Bedürfnissen und den Fähigkeiten jedes lebenden Wesens.
Dieses allgemeine Prinzip gilt auch für den Menschen. Daraus ergeben sich für jeden Menschen drei Rechte: frei zu sein, zu arbeiten und Privateigentum zu erwerben.
Denn um seine Bedürfnisse zu befriedigen, besitzt der Mensch eine intelligente Seele mit Willen, um zu erkennen und zu wollen, was er benötigt. Sein Körper ist für ihn Quelle zahlreicher Bedürfnisse, aber auch Werkzeug, um das zu tun, was notwendig ist, um ihnen zu entsprechen. Aus dieser Lage ergibt sich für den Menschen, dass er gleichzeitig besitzt:
- Das Recht auf Freiheit, gemäß seiner rechten Vernunft zu handeln, um sein Ziel zu erreichen;
- Das Recht, eine Arbeit auszuüben, als Mittel zur Befriedigung seiner Bedürfnisse;
- Das Recht auf Privateigentum.
Ja, das Recht auf Privateigentum. Ich beanspruche nicht, hier alle legitimen Quellen des Privateigentums kurz darzulegen. Sehen wir lediglich, wie es aus Freiheit und Arbeit entsteht.
Da der Mensch Herr seiner selbst ist, ist er Herr seiner Fähigkeiten und der Arbeit, durch die er diese Fähigkeiten ausübt. Und da der Mensch Herr seiner Arbeit ist, ist er Herr der Frucht seiner Arbeit. Das heißt, der Mensch ist Eigentümer seines Lohnes. Das Eigentum entsteht also aus Freiheit und Arbeit.
Sehen wir nun, wie der Besitz des Lohns das Privateigentum an jeder Art von beweglichen und unbeweglichen Gütern hervorbringt. Da der Mensch Herr seiner Arbeit und seines Lohnes ist, kann er mehr oder weniger arbeiten und mehr oder weniger sparen. Durch intensives Arbeiten und Sparen kann er ein Vermögen bilden, um sich keine Sorgen um den morgigen Tag zu machen. Oder um Arbeitsmittel zu kaufen, mit denen er eine Tätigkeit beginnt. Oder um eine Immobilie zu erwerben, die er an Dritte vermietet. Oder um ein Kapital anzusammeln, mit dem er sich an einem Geschäft beteiligt. Eigentum – der Ausdruck stammt, wenn ich mich nicht irre, von Leo XIII. – ist verdichtete und angesammelte Arbeit.
So entsteht aus der Freiheit und der Arbeit jedes Einzelnen das Privateigentum.
Abschließend beantworte ich nur einige mögliche Einwände.
- Ist es nicht ungerecht, dass einige Eigentümer werden, während andere aus Krankheit, Unglück oder Faulheit ein solches Ergebnis nicht erreichen?
Das wäre, als fragte man, ob es ungerecht sei, dass es Menschen gibt, die guter Gesundheit erfreuen, spazieren gehen oder reisen, während andere aus Krankheit, Unglück oder Faulheit dazu nicht in der Lage sind. Diejenigen, die sich in einer unterlegenen Lage befinden, müssen unterstützt werden. Doch man hält den normalen Lauf der Dinge nicht wegen abnormaler Situationen auf, ob verschuldet oder nicht.
- Aber ist Privateigentum nicht anfällig für Missbrauch?
Ja. Dieser muss verhindert werden. Doch deshalb ist es nicht angebracht, das Privateigentum zu verfolgen oder zu verstümmeln. Auch im Bereich der Freiheit und der Arbeit sind Missbräuche möglich. Alle sind sich einig, sie zu verhindern. Niemand wäre jedoch damit einverstanden, Freiheit oder Arbeit aus diesem Grund zu verstümmeln oder zu verfolgen.
- Wenn Freiheit, Arbeit und Privateigentum so eng verbunden sind, warum hat sich die TFP in ihrem Wahlspruch für das Wort „Privateigentum“ entschieden?
Unser Name lautet: Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum. Was bedarf heute auf doktrinärer Ebene am meisten der Verteidigung? Freiheit und Arbeit, die alle mit einer Stimme verherrlichen? Nein. Sondern das Privateigentum, das die Demagogen und die Narren – beide in unserem Jahrhundert sehr einflussreich – mit aller Kraft angreifen.
Ja, wir verteidigen das Privateigentum und in ihm und mit ihm implizit auch die Arbeit und die Freiheit.
Foto: J. Suhett


